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bassquaterly Testbericht

Vincent Soulmate.


Ausgabe: Januar 2010

Innovation im Detail
Vincent Soulmate PJ

Weniger ist mehr. So könnte man die Philosophie von Johannes Pöhlmann auf den Punkt bringen. Nachdem er einige Jahre Bässe selbst gebaut hatte, gründete er vor sieben Jahren im fränkischen Nürnberg die Bassfabrik. Nach ersten konstruktionsverliebten Anfängen in den achtziger Jahren folgte die ernüchternde Erkenntnis, dass die Sounds, die ihn als Bassisten faszinierten in der Regel von ganz einfach konstruierten Instrumenten stammten. Ab da setzte eine Art philosophischer Minimalismus ein, der seine zukünftigen Entwürfe bestimmen sollte. Das Ganze mündete dann in die Frage: Was braucht ein guter Bass und was nicht?


Von Thomas Bugert

Auf der Suche kristallisierten sich für Johannes Pöhlmann zwei grundlegende Eigenschaften heraus. Erstens: Einen gut bespielbaren Hals, der es einfach macht, die musikalische Ideen umzusetzen. Zweitens: Ein zweckdienlicher Sound, der sowohl in der Lage ist, die Klangvorstellungen des Bassisten zum Ausdruck zu bringen, als auch das musikalische Geschehen einer Band zu stützen. Da man das Rad jedoch nicht jedes Mal neu erfinden muss, orientiert sich die Bassfabrik an Klassikern und entwickelt diese weiter.

Zielsetzung bei der Entwicklung des Vincent Soulmate war es vor allem, ein praxistaugliches Instrument mit hohem Gegenwert zu schaffen. Es sollten sich sowohl der Einsteiger wiederfinden, als auch der ambitionierte Bassist, der Wert auf die Kerneigenschaften eine Basses wie Unmittelbarkeit und Sound legt. Mit der neuen Bassreihe bringt Johannes Pöhlmann einen klassischen Bass in Anlehnung an die legendären Fender- bzw. Musicman-Bässe auf den Markt. Entsprechend gibt es hier auch die Varianten mit zwei Single Coils, entsprechend dem Fender Jazzbass oder mit einem dicken Humbucker, wie beim Musicman. Für meinen Test habe ich eine Kreuzung aus Jazzbass und Precision-Bass mit der mittlerweile legendären Kombination von P-Pickup an der Brücke und J-Pickup am Steg.


Konstruktion

Da sich der Vincent am klassischen Modell orientiert, liegt es nahe, dass er auch vom Design her in diese Richtung geht. Natürlich gibt es aber auch hier eine Eigeninterpretation. Am Auffälligste zeigt sich diese beim Korpus mit seinen deutlich kürzeren Hörnern. Der Body des Basses besteht passenderweise aus Basswood, einer amerikanischen Lindenart und ist dünn in Rot matt lackiert. Der Hals ist ganz traditionell aus einem Stück Ahorn. Eine Spezialität von Vincent-Bässen ist jedoch das One-Piece-Neck-Design mit dem typischen Scunk-Stripe auf der Halsrückseite. Dummerweise verstößt das Aufleimen eines Griffbrettes gegen eine Grundsatzregel in der Holzverarbeitung: Verleime nie zwei unterschiedliche Hölzer. Da diese sich bei Klimaveränderungen unterschiedlich ausdehnen, kommt es zu Spannungen im Hals und er krümmt sich leichter. Auch wenn es beim Instrumentenbau tausendfache Abweichungen von dieser Regel gibt, findet sie prinzipiell auch bei meinem Bass hier Beachtung. So hat der Vincent kein extra Griffbrett aufgeleimt. Der Hals besteht aus einem Stück. Anders als beim Original ist der speziell entwickelte Halsspannstab ein vorteilhaftes 2-teiliges System, wie es bei Hälsen mit aufgeleimtem Griffbrett verwendet wird. Hierzu sagt der Meister Folgendes: »Bei einem Halsspannstab entstehen immer zwei Kräfte. Eine, die man haben will, die nämlich den Hals entgegen der Saitenspannung nach hinten drückt. Die Zweite, dummerweise auch noch größere Kraft, wirkt axial, also in der Richtung, in der der Stab eingebaut ist. Diese Kraft, die man eigentlich nicht haben will, wirkt bei einem einteiligen Spannstab direkt auf das Holz des Halses. Bei einem zweiteiligen Spannstab dagegen arbeiten zwei Metallstäbe gegeneinander, sodass die axiale Kraft alleine von dem Spannstab selbst aufgenommen wird. Das Holz des Halses wird somit nicht in axialer Richtung komprimiert.«

Die Bünde des guten Stückes sind aus Edelstahl, das sich so gut wie nicht abnutzt, und werden extra von der Firma Pleck in Berlin eingesetzt. Ein Garant für Bundreinheit und gute Bespielbarkeit. Eine weitere Besonderheit des Vincent ist der Steg, der genau genommen gar nicht vorhanden ist. Hierfür gibt es einen Nullbund mit integrierter Sattelkerbung, der dafür sorgt, dass es keinen Klangunterschied zwischen Leersaiten und gegriffenen Saiten gibt. Für den nötigen Druck auf den Nullbund sorgt ein extra Saitenniederhalter. Damit die Spielfreude gleich zu Beginn lange anhält, sind standardmäßig Elixir-Saiten aufgezogen. Stimmen lässt sich der Soulmate mit den typischen unverkapselten Mechaniken und den großen Flügeln, die hier von der Firma Schaller kommen. Auf der anderen Seite wird der Ton über eine Vincent Bridge von ABM auf den Korpus gebracht.

Das gute Stück ist mit zwei Tonabnehmern von Harry Häusel im klassischen PJ-Stil bestückt. Als Besonderheit kann man hier die Elektronik betrachten. Es gibt zunächst einen Mastervolume-Regler. Durch einen Umschalter wird zwischen den zwei Tonabnehmern ausgewählt. Der andere Tonabnehmer kann dann entsprechend mit dem zweiten Regler stufenlos dazugemischt werden. Hiermit lassen sich nach Belieben Mischsounds erzeugen. Der passive Tonregler ist als sogenanntes »Noload Poti« ausgeführt. Bedeutet: Wenn es voll aufgedreht ist, bildet es keinen Widerstand.


Spielpraxis

Der erste physische Kontakt mit dem Soulmate fühlt sich sehr vertraut an. Ganz so, als hätte ich ihn schon immer gespielt. Hierzu trägt sicherlich auch die perfekte Verarbeitung des guten Stückes und das Oilfinish des Halses bei. Unplugged gespielt spricht der Bass sehr gut an und klingt total ausgewogen. Schön ausbalanciert und in allen Lagen gut spielbar. So wünsche ich mir das. Dann will ich das gute Teil mal anschließen. Wie schon erwartet, begrüßt mich ein klarer durchsetzungsfähiger Ton mit gutem Attack und langem Sustain aus meinem Lautsprecher. Ausgewogen in allen Lagen, so macht Bassspielen Spaß! Auch beim Akkordspiel gibt es intonationstechnisch nichts zu meckern. Mit seinen knapp vier Kilogramm Gewicht lässt sich auch bequem ein langer Konzertabend ohne Verspannungen bestreiten. Nur die Schrauben des P-Pickups stören mich, wenn ich den Daumen darauf abstützen will. Das geht mir allerdings bei diesem Tonabnehmertyp konstruktionsbedingt immer so.
Was den Sound anbelangt, so bin ich von dem passiven Bass sehr überrascht. Schön bissig ist der Steg-Pickup und knurrend der Hals-Pickup. Mit dem zweiten Volumenregler lassen sich nach Belieben Mischsounds herstellen, um immer eine guten Klang in der Band zu haben. In der Praxis fällt mir auf, dass der Pickup-Umschalter für meinen Geschmack etwas "weit weg" montiert ist, um während des Spieles schnell umzuschalten. Besonders erfreut bin ich hingegen über den Mastervolume-Regler. Im Gegensatz zur traditionellen Schaltung mit jeweils einem Lautstärkeregler pro Tonabnehmer kann ich hier den Ton beim Spielen auch »einfaden« oder »ausfaden«. Selbst in den Pausen ist einfach und schnell die Lautstärke herunter gedreht, ohne das Mischungsverhältnis zwischen den Pickups jedes Mal neu einstellen zu müssen.


Resümee

Auf den zweiten Blick ist der Vincent-Bass nicht einfach eine Kopie eines Klassikers, sondern steckt voller kleiner Innovationen - besonders was Haptik, Soundumsetzung und optische Details anbelangt. Hier wurde das Rad zwar nicht komplett neu erfunden, vielmehr weiterentwickelt. Für zwölfhundert Euro bekommt man ein perfekt handgefertigtes Instrument mit hohem Gegenwert.


Details

Hersteller: Bassfabrik
Modell: Vincent Soulmate PJ
Herkunftsland: Deutschland
Gewicht: 3,69 Kg
Gitarrentyp: Solidbody, 4-Saiter
Korpus: Basswood
Hals: One-Piece Maple Neck
Halsbefestigung: geschraubt
Griffbrett: Ahorn
Bünde: 21
Mensur: 875 mm
Halsbreite 1./12. Bund: 40/60 mm
Elektronik: passiv
Regler: 2x Volume, 1x Ton
Schalter: Umschalter Pickups
Pickups: Harry Häusel
Hardware: Schaller Tuner, Vincent Bridge by ABM
Listenpreis: 1.200,00 EUR
Zubehör: Gigbag, Werkzeug
Gestestet mit: Nemesis, Ampeg Amps


Recording

Studio.

Der perfekte Klang eines Basses ist etwas bewegendes. Mein Recording Studio macht gute Klänge zum Mitnehmen.

Vincent

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